Saudi-Arabiens unausweichlicher Machtkampf mit dem Iran

Thomas Seibert

Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman schickt sich an, den Nahen Osten aufzumischen. Wie er das macht und wohin das führt.

Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman hat es eilig. Der 32 Jahre alte künftige König will sein Land aus der Abhängigkeit vom Öl befreien und in den Kampf gegen den regionalen Rivalen Iran führen. Dazu braucht er starke Partner – vor allem die USA und Israel.

Dass der Kronprinz jetzt als erster arabischer Spitzenpolitiker seit Langem und als zukünftiger Herrscher über Mekka und Medina öffentlich das Existenzrecht des jüdischen Staates anerkennt, markiert eine Zeitenwende im Nahen Osten. Allerdings geht es ihm nicht um Frieden: Es geht um Macht und um eine neue Blockbildung in der Region. MBS, wie der König in spe genannt wird, braucht den Rückhalt Amerikas für alles, was er tut.

So fielen seine Äußerungen über eine gemeinsame Zukunft mit Israel nicht in Riad, sondern in einem Interview mit der US-Zeitschrift „The Atlantic“. Das Gespräch fand während der derzeitigen USA-Reise des Prinzen statt, bei der er sich um Investitionen für sein Reformprojekt „Vision 2030“ bemüht, mit dem er Saudi-Arabien in die Moderne führen will. Das Bündnis mit Israel, von dem MBS spricht, passt zur Nahost-Strategie der Trump-Regierung.

Überhaupt liegen MBS und Trump eng beieinander. Der Prinz sieht im Nahen Osten ein „Dreieck des Bösen“ aus dem Iran, der Muslim-Bruderschaft und islamistischen Extremisten wie Al Qaida und dem IS am Werk. Der Iran hat großen Einfluss im Irak, in Syrien und im Libanon; MBS zählt auch die Türkei – deren Präsident Erdogan die Muslim-Bruderschaft unterstützt – zum feindlichen Trio.Neuauflage des Kalten Kriegs?

Auch eine Neuauflage der Frontstellungen des Kalten Krieges schwingt mit. Während die USA auf der Seite der Saudis stehen, gehört Russland ins andere Lager. Wie der Zufall es will, treffen sich Erdogan und der iranische Präsident Ruhani an diesem Mittwoch mit dem russischen Staatschef Putin, um mit ihm über die Lage in Syrien zu sprechen.Diesem Block setzt MBS seine geplante Allianz aus den Golf-Staaten, Ägypten, Jordanien und eben Israel entgegen. Religiöse Überlegungen spielen kaum eine Rolle.

Im Bild des neuen Nahen Ostens gibt es allerdings einige Schönheitsfehler, die den Plan des Prinzen scheitern lassen könnten. Da ist das Schicksal der Palästinenser: Nach Trumps Vorstellung sollen sie keinen eigenen Staat erhalten, sondern in einer Art israelischem Protektorat leben.

Der Prinz lehnte diesen Plan nicht ab, während sein Vater, König Salman, die traditionelle saudische Position bekräftigte. Vorerst bleibt es deshalb bei der Forderung Riads, dass Israel einem gleichberechtigten Nebeneinander eines jüdischen und eines palästinensischen Staates zustimmen muss.

Auch ist keineswegs gewiss, dass MBS sein Reformprojekt erfolgreich abschließen und Saudi-Arabien modernisieren kann.

Sollten konservative Gegner des Prinzen in Riad die Oberhand gewinnen, dürfte aus der Anerkennung Israels und der neuen Allianz nichts werden.

Am bedenklichsten ist jedoch die Vorstellung des Prinzen von einem epischen und unausweichlichen Machtkampf mit dem Iran.

Der Tagesspiegel

 

 

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